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Beim Pflanzen von Obstbäumen auch an nachfolgende Generationen gedacht

Beim Pflanzen von Obstbäumen zum Erhalt der Streuobstwiesen : Gerd Klement (von links) und Jasmin Broßeit, ihre sieben Monate alte Tochter Melina sowie Eugen Hofsäß und Manfred Funk vom OGV Göbrichen

Beim Pflanzen von Obstbäumen zum Erhalt der Streuobstwiesen : Gerd Klement (von links) und Jasmin Broßeit, ihre sieben Monate alte Tochter Melina sowie Eugen Hofsäß und Manfred Funk vom OGV Göbrichen
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Seit 20 Jahren „Ökologische Offensive Neulingen“ zum Erhalt der langen Tradition des Streuobstbaus

Zum Erhalt der Streuobstwiesen auf der Gemarkung, wurde vor 20 Jahren die „Ökologische Offensive Neulingen“ ins Leben gerufen. Am Freitagnachmittag, 10. November, wurden durch den Obst- und Gartenbauverein (OGV) Göbrichen, vor dessen Vereinsheim im „Weiher Wegle“, wieder vorbestellte Obstbäume zur Bepflanzung ausgegeben. Mit 36 Bäumen war es in diesem Jahr die bisher kleinste Anzahl. Bei nasskalter Witterung erfolgte die zentrale Ausgabe der Hochstammbäume für 18 Obstbauern in allen drei Ortsteilen durch Manfred Funk, der 21 Jahre Kassierer war, und Eugen Hofsäß, seit über 25 Jahren Schriftführer. Zum 20-Jährigen der „Ökologischen Offensive Neulingen“, bekamen sie von der Gemeinde für ihr langjähriges, ehrenamtliches Engagement ein kleines Wurstpräsent überreicht.
Gerade in Neulingen hat der Streuobstbau eine lange Tradition und wieder neu an Bedeutung gewonnen. Der Löwenanteil mit fast 50 Prozent lag bei 16 Apfelbäumen, gefolgt von jeweils drei Birnen- und Kirschen, je vier Zwetschgen- und Mirabellen-, drei Reneklode- sowie ein Apfelquitten- und zwei Birnenquittenbäumchen.
Ein Obstbaum kostet durchschnittlich etwa 20 Euro, die Interessenten bezahlen sieben Euro und fünf Euro für eine Pflanzhilfe, bestehend aus Pfahl, Bindematerial, Drahthose oder Spirale. Die übrigen Kosten trägt die Gemeinde Neulingen.
Beim Kauf von Bäumen wurde auch an nachfolgende Generationen gedacht. Wie etwa an die sieben Monate alte Melina aus Göbrichen, deren Eltern Jasmin Broßeit und Gerd Klement, Neulinger Gemeindevollzugsbediensteter und Göbricher Abteilungskommandant der Freiwilligen Feuerwehr Neulingen. Mit „Öhringer Blutstreifling“ haben sie eine altbewährte Sorte gewählt. Laut Herrn Hofsäß könne man nach zehn bis zwölf Jahren an Apfelbäumen bereits rund 50 Kilogramm ernten. Die Eltern haben damit eine alte Tradition wiederaufleben lassen, einen Apfelbaum zur Geburt eines Kindes zu setzen, damit er mit diesem groß und alt werden kann. Schließlich ist der Apfelbaum schon seit Urzeiten Begleiter der Menschheit und Symbol für das Leben, die Fruchtbarkeit und die Liebe.
Große Hochstammbäume auf stärkeren Unterlagen können 80 bis 120 Jahre alt werden, in Ausnahmen bis 150 Jahre und in seltenen Fällen bis 200 Jahre. Der wahrscheinlich älteste (Wild) Apfelbaum Deutschlands mit 450 Jahren steht in Stubbendorf, im Nordosten des Landkreises Rostock in Mecklenburg-Vorpommern, der wahrlich eine sehr große Ausnahme bildet. Apfelbäume, auf Lateinisch „Malus domestica“, gehören übrigens zur Gattung der Rosengewächse.
Hinzu kam bei der jungen Familie ein Mirabellen-Bäumchen „Von Nancy“ mit einer Lebenserwartung von bis zu 60 Jahren. Die Mirabelle, auch als „Gelbe Zwetschge“ bezeichnet, ist eine Unterart der Pflaume. Sie wird von Laien oft mit der ihr in Größe und Gestalt ähnlich sehenden Kirschpflaume verwechselt.
Wie sich Eugen Hofsäß noch erinnert, wurden nach der Flurbereinigung 1995 erstmals im Rathaushof in Göbrichen rund 300 Bäumchen ausgegeben. So groß sei am Anfang der Aktion die Nachfrage gewesen. Von dem großen deutschen Reformator Dr. Martin Luther (1483 bis 1546), dessen Jubiläumsjahr 2017 begangen wurde, ist überliefert: "Selbst, wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen."