Strassenzug

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Artikelserie „Flüchtlinge im Enzkreis“; Teil 44: Wie viele Flüchtlinge leben zurzeit im Enzkreis?

Viele Tausend Menschen suchen Zuflucht in Deutschland. Woher kommen diese Menschen, wo und wie werden sie untergebracht, dürfen sie arbeiten und wenn ja, ab wann? Antworten auf diese und zahlreiche weitere Fragen gibt eine Artikelserie, die im Mitteilungsblatt erscheint.

Mehr Menschen in der Anschluss-Unterbringung

745.545 neue Asylanträge wurden beim zuständigen Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, kurz: BAMF, im vergangenen Jahr gestellt. 2015 waren es mit 476.649 deutlich weniger – tatsächlich aber sind seit dem vergangenen Frühjahr nur relativ wenige neue Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Dagegen konnten viele, die bereits im Vorjahr gekommen waren, erst im Lauf des Jahres 2016 ihren Antrag tatsächlich stellen. Daraus erklärt sich die starke Zunahme bei den Antragszahlen.

Eine leichte Entspannung macht sich auch im Enzkreis bemerkbar: Seit Mai 2016 wurden dem Landratsamt weitaus weniger Menschen neu zugewiesen als in den Monaten zuvor. Allerdings steigt die Zahl derer, über deren Antrag das BAMF entschieden hat, kontinuierlich an. Dies führt dazu, dass immer mehr Flüchtlinge aus der vorläufigen Unterbringung des Enzkreises in die Anschlussunterbringung wechseln, für die die Gemeinden zuständig sind. Ende des Jahres lebten noch 1.754 Flüchtlinge in den Unterkünften des Enzkreises – allerdings müssen rund 400 von ihnen in die Anschluss-Unterbringung wechseln: Bei ihnen ist das Asylverfahren abgeschlossen oder sie sind seit mehr als zwei Jahre in der vorläufigen Unterbringung. In den Kreisgemeinden leben bereits 514 Menschen in der Anschluss-Unterbringung.

Wie viele Flüchtlinge insgesamt im Enzkreis leben, lässt sich nicht exakt beziffern. Das liegt daran, dass nicht alle in den Statistiken als „Flüchtling“ geführt werden – schon gar nicht über Jahre. Spätestens mit einer dauerhaften Bleibeberechtigung gelten sie als „normale Ausländer“. Auch nachziehende Familien von Anerkannten oder unbegleitete Minderjährige sind rechtlich keine Flüchtlinge; sie werden daher in den Statistiken ebenfalls nicht als Flüchtlinge, sondern als Ausländer geführt.

Prognosen sind kaum möglich

Bei 62 Prozent liegt die Anerkennungsquote des BAMF derzeit. Mit anderen Worten: zwei von drei Antragstellern werden als Flüchtling oder als Asylberechtigter anerkannt oder erhalten subsidiären Schutz. Fast immer anerkannt werden Menschen aus Syrien, dem Irak, dem Iran sowie aus Eritrea und Somalia. Dagegen liegt die Quote bei Menschen aus den Balkanstaaten praktisch bei null. Von dort kamen auch die meisten der 78 Menschen, die 2016 durch das Regierungspräsidium Karlsruhe aus dem Enzkreis abgeschoben wurden; weitere 106 reisten freiwillig aus.

Von den in der vorläufigen Unterbringung im Enzkreis lebenden Menschen stammen mehr als 30 Prozent aus Syrien, weitere jeweils knapp 25 Prozent aus dem Irak und aus Afghanistan. In diesen drei Ländern – oder großen Teilen davon – herrschen nach wie vor Terror, Krieg oder Bürgerkrieg; ein Ende ist nicht absehbar. Daher wagt derzeit niemand, eine Prognose zur künftigen Entwicklung abzugeben – weder was weitere Flüchtlinge noch eine mögliche Rückkehr in Deutschland lebender Menschen angeht.

Auch die Entwicklung entlang der Mittelmeerküste oder die politische Lage in der Türkei machen Voraussagen schwer. Momentan haben in der Türkei laut dem Flüchtlingshilfswerk der UNO über zwei Millionen Menschen Zuflucht gefunden – mehr als in jedem anderen Land weltweit.

Nachricht vom: 31.01.2017